Notfall-Hilfe für behinderte Studierende gesichert
Familien- und Krankenpflege übernimmt Nachdienst in AKAFÖ-Wohnanlage
„In den letzten Jahren ist es immer schwieriger geworden, Zivildienstleistende für die Stellen zu finden“, berichtet Harry Baus, der Leiter des AKAFÖ-Servicezentrums für behinderte Studierende (SZB). Das lag zum einen an den gesetzlichen Rahmenbedingungen für die Ableistung des Zivildienstes: Die vorgegebene Dauer wurde zuletzt auf 9 Monate reduziert, außerdem die Altergrenze und die Gesamtzahl der Zivildienstleistenden herabgesetzt. Zum anderen glaubt Harry Baus, „dass sich immer weniger Zivildienstanwärter ihrer sozialen Verantwortung bewusst sind.“ Gegen Betätigungen wie Essen ausfahren kommt eine reine Nachtdienst-Stelle zur Notfall-Betreuung Schwerstbehinderter da nicht an. „Früher habe ich Bewerbungsgespräche geführt. In der letzten Zeit war ich froh, wenn überhaupt noch jemand interessiert war und ich die dringend benötigten Stellen nicht mit Aushilfen besetzen musste“, erzählt Baus.
Dringend benötigt werden die Betreuungskräfte, damit die behinderten Studierenden, die tagsüber ihre eigenen Assistenzen haben, auch nachts ein normales Leben führen können. „Sie sollen die gleiche Lebensqualität erfahren, wie diese für ihre nicht behinderten Kommilitonen selbstverständlich ist – und das in einem studentischen Wohnheim und eben nicht in einem Pflegeheim.“, sagt Baus. Lange hat das AKAFÖ nach einer Lösung gesucht, um den Dienst auch ohne die kaum zu bekommenden Zivis aufrecht zu erhalten. Fündig wurde man in einer Zusammenarbeit mit der Stadt Bochum, dem Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) und der Familien- und Krankenpflege.
Harry Baus und AKAFÖ-Geschäftsführer Jörg Lüken (3. und 4. v. l.) mit ihren Vertragspartnern bei der Unterschrift.
Die Finanzierung von Stadt und LWL ermöglicht so ab 1. Oktober den Einsatz von Kräften der Familien- und Krankenpflege im Haus am Sumperkamp. Die Mieter der 33 Appartements und 14 Wohnungen für Schwerstbehinderte haben so die Möglichkeit, weiterhin nachts Unterstützung zu erhalten; etwa beim Zu-Bett-Gehen, Duschen, einem Toilettenbesuch oder einfach nur dem Wunsch nach einem Glas Wasser, wenn ihre persönlichen Assistenten nicht anwesend sein können.
Der Vertrag dazu wurde jetzt zwischen AKAFÖ-Geschäftsführer Herrn Jörg Lüken, dem Leiter des LWL-Sachbereichs Ambulant Betreutes Wohnen für behindert Menschen, Herrn Thomas Balzer, der Leiterin des städtischen Sozialamts, Frau Dr. Heide Ott und dem Geschäftsführer der Familien- und Krankenpflege, Herrn Michael Schreiber abgeschlossen. „Wir freuen uns sehr, dass wir für diese Notfall-Versorgung einen zuverlässigen Partner gefunden haben!“, blickt Harry Baus zuversichtlich in die Zukunft.

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