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Filmvorführung: Guy Debord – IN GIRUM IMUS NOCTE ET CONSUMIMUR IGNI

Mit einem Einführungsvortrag von Gustav Trabes (Berlin). Am Mittwoch, den 17. Juni um 18.30 Uhr im Hörsaal HGA 30.

Der Name Guy Debord fand in den letzten Monaten wieder vermehrt Erwähnung in diversen Zeitungsartikeln. Der Grund: Der französische Staat erklärte seine nachgelassenen Exzerpthefte, Briefe, seinen Schreibtisch und seine Brille per Dekret zum nationalen Kulturgut, das unbedingt auf französischem Boden verbleiben müsse. Die Presse von »Le Figaro« bis »FAZ« fragte sich darauf hin, ob der viel gehaßte Gründer der Situationistischen Internationale dies nicht einen Akt der Rekuperation genannt hätte und sich im Grabe herumdrehen würde, wenn er davon erführe. Belanglose Fragen. Das Kulturministerium will der professionellen Wissensverwaltung an Universitäten ein weiteres Vermächtnis zu führen; eine Gelegenheit, die von Debord-Kennern genutzt wird, um sich hervor zu tun. An diesem Abend soll Guy Debord selbst zu Wort kommen. Nach einer kurzen Einführung wird der Film ›IN GIRUM IMUS NOCTE ET CONSUMIMUR IGNI‹ von 1978 gezeigt. Dies ist der letzte Film, den Debord gedreht und aus anderen Filmen zusammen geschnitten hat – sozusagen sein Spätwerk in bewegten Bildern. Den lateinischen Titel des Films kann man etwa so übersetzen: Wir irren des Nachts im Kreise und werden vom Feuer verzehrt. Dies mag sich auf Glühwürmchen, Käfer oder darauf beziehen, daß die Menschen bis heute noch keinen Ausweg aus ihrer selbst gemachten Knechtschaft gefunden haben. Darum geht es zumindest am Rande in diesem Film sowie um das Spektakel, vor allem aber geht es in dem Film um Guy Debord. Es ist eine verfilmte Autobiographie, in der Debord in knappen, prägnanten Worten seinen Blick auf die Welt skizziert und die verschiedenen Stationen seines Lebens präsentiert, von der die Situationistische Internationale nur eine war. Er hat die herrschende Ordnung verachtet, nie für Lohn gearbeitet und nie einen Kompromiß mit den Verwaltern von Ideologie und Kultur akzeptiert. ›IN GIRUM IMUS NOCTE…‹ ist ähnlich zusammen gesetzt wie Debords Verfilmung der ›Gesellschaft des Spektakels‹ und besteht aus Schnipseln von Filmen wie ›The Third Man‹, ›Robin Hood‹ und ›Les enfants du paradis‹, dann Szenen aus Westernfilmen, langen Kamerafahrten durch die Kanäle von Venedig und Fotos von Freundinnen und Trinkgenossen. Dazu aus dem Off Debords Stimme, die erzählt und kommentiert.

95min—schwarz/weiß—1978

bearbeitet am: 15. Juni 2009