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„Fight for Freedom!“ Die Legende vom „anderen Deutschland“

Vortrag und Buchpräsentation mit Jan Gerber und Anja Worm im Rahmen der Veranstaltungsreihe CRITIX 2009/10 am Dienstag, den 17. November um 19 Uhr im Kultur Café.

Nach der ersten deutschen Niederlage, so erklärten Curt Geyer und Walter Loeb 1942, wurde „der Welt die Lüge von der deutschen Unschuld aufgetischt. Die Welt wurde eingeladen zu glauben, dass Deutschland angegriffen wurde und dass es das Schwert zu seiner eigenen Verteidigung gezogen hat. Eine zweite Lüge wird derzeit für den universellen Gebrauch vorbereitet, die Lüge, dass das deutsche Volk an diesem Krieg unschuldig ist.“ Während die erste Lüge inzwischen weitgehend vergessen ist, hat die zweite nach wie vor Bestand. Die Legende vom „anderen Deutschland“ war eine der ideologischen Gründungsvoraussetzungen der Bundesrepublik und der DDR. Sie gehört bis heute zum geschichtspolitischen Repertoire der Berliner Republik. Curt Geyer, Walter Loeb und die Mitglieder der Gruppe „Fight for Freedom“ zählen zu den Wenigen, die dieser Legende schon in den frühen 1940er Jahren, im britischen Exil, entgegentraten. Mit antideutschen Schriften unterstützten sie Sir Robert Vansittart, Mitglied des britischen Oberhauses und Publizist – und neben Henry Morgenthau bis heute einer der meistgehassten Männer in Deutschland.

Jan Gerber und Anja Worm, die die zentralen Texte des „Fight-for-Freedom“-Kreises erstmals in deutscher Übersetzung herausgegeben haben, stellen in ihrem Vortrag nicht nur die Aktivitäten, Schriften und Reflexionen dieser Gruppe vor. Sie hinterfragen zugleich die Rede vom „anderen Deutschland“. Warum konnte die Vorstellung, der Nationalsozialismus, der Zweite Weltkrieg und Auschwitz seien den Deutschen gegen ihren Willen von einer kleinen Clique Wahnsinniger aufgezwungen worden, wirkungsmächtig werden? Welche Bedürfnisse bedient die Rede vom „anderen Deutschland“? Warum wurde die „Fight-for-Freedom“-Gruppe also trotz ihrer erfolgreichen publizistischen Aktivitäten in Großbritannien und der zahllosen Angriffe, mit denen sie von Seiten des arbeiterbewegten Exils – vom damaligen SAPler Willy Brandt über den Kommunisten Jürgen Kuczynski bis hin zu den Sozialdemokraten Friedrich Stampfer und Erich Ollenhauer – bedacht wurde, sowohl in der deutschen Öffentlichkeit als auch im Wissenschaftsbetrieb über Jahrzehnte hinweg ignoriert?

Jan Gerber und Anja Worm sind Herausgeber des Bandes „Curt Geyer, Walter Loeb u.a.: Fight for Freedom! Die Legende vom ‚anderen Deutschland’“ (Freiburg: Ça Ira 2009). Sie gehören zum Initiativkreis „Materialien zur Aufklärung und Kritik“ (www.materialien-kritik.de), schreiben u.a. für die Zeitschrift „Bahamas“ und sind Mitherausgeber der faschismustheoretischen Texte von Heinz Langerhans: „Staatssubjekt Kapital. Texte zur Diskussion um Faschismus, Krieg & Krise“ (Halle: Materialien zur Aufklärung und Kritik 2004). Jan Gerber hat gemeinsam mit Joachim Bruhn das Buch „Rote Armee Fiktion“ (Freiburg: 2007) herausgegeben.

bearbeitet am: 15. November 2009